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Superzellen


Superzellen sind langlebige und die gefährlichsten Gewitterzellen. Was aber eine Superzelle von einer normalen Gewitterzelle unterscheidet, ist ihre Eigenrotation. Diese Eigenrotation kann man nicht auf einem gewöhnlichen Niederschlagsradarbild erkennen, sondern man braucht dazu ein sogenanntes Dopplerradar.

Zur Entstehung einer Superzelle muß eine starke Windscherung vorhanden sein, das heißt der Wind ändert seine Richtung und / oder Geschwindigkeit über ein bestimmtes Gebiet und / oder mit der Höhe. Dies führt dazu, daß die Gewitterzelle in eine langsame Eigenrotation versetzt wird.

Eine Superzelle muß bestimmte Kriterien erfüllen, um als solche bezeichnet zu werden. Nach Charles A. Doswell spricht man dann von einer Superzelle, wenn ein Drittel des Aufwindbereiches einer Gewitterzelle mindestens 15 Minuten lang stetig rotiert.


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Draufsicht auf eine Superzelle
© Mario Lehwald


Man unterscheidet drei Arten von Superzellen:

  • LP-Superzelle (low precipitation):
    Diese hat nur einen schwachen Niederschlagskern, durch den man noch hindurchsehen kann, also wenig Niederschlag.
  • Klassische Superzelle:
    Guter Niederschlagskern, durch den man nicht mehr hindurchsehen kann. Der Niederschlagskern ist hier deutlich vom Aufwindbereich getrennt.
  • HP-Superzelle (hight precipitation):
    Sehr starker Niederschlagskern, der direkt in den Aufwindbereich übergeht.

Der Aufwindbereich einer Superzelle rotiert auf der Nordhalbkugel der Erde meist gegen den Uhrzeigersinn, also zyklonal. Man nennt dies auch eine Mesozyklone. Es gibt aber auf der Nordhalbkugel auch rechtsdrehende Superzellen, die allerdings selten sind. Auf der Südhalbkugel ist es umgekehrt (Rotation meist im Uhrzeigersinn). Da Mesozyklonen sehr klein sind, hat die Corioliskraft keinen Einfluß auf sie.

Als Mesozyklone (kurz auch Meso genannt) bezeichnet man aber generell einen rotierenden Bereich in einem Gewitter. Erst wenn dieser die Superzellenkriterien erfüllt, darf man ihn als Superzelle bezeichnen.

In einer Superzelle ist der Auf- und der Abwindbereich getrennt. Gleichzeitig ist der rotierende Aufwindbereich geneigt. Dadurch gelangt der im Abwindbereich fallende Niederschlag nicht in dem Aufwindbereich und kann ihn durch Verdunstungskälte bremsen. Weil der Aufwind die Zelle am Leben erhält, ist eine Superzelle im Gegensatz zu einer normalen Gewitterzelle sehr langlebig. Superzellen leben viele Stunden, manchmal sogar einen halben Tag.

Bei gewöhnlichen Gewitterzellen, die keine Eigenrotation aufweisen, fällt der Niederschlag dagegen in die Aufwindzone und bremst das Wachstum der Gewitterzelle nach oben. Daher haben normale Gewitterzellen nur eine begrenzte Lebensdauer und zerfallen danach wieder.

Weiterhin zeigen Superzellen auf der Nordhalbkugel oft ein deutliches Ausscheren nach rechts gegenüber dem steuernden Wind im mittelhohen Wolkenstockwerk. Dieses Ausscheren ist oft schon ein Erkennungszeichen, daß es sich um eine Superzelle handeln könnte.

Unterhalb des rotierenden Aufwindes einer Superzelle kann sich ein Tornado entwickeln. Dieser Bereich wird besonders in den USA auch als "Bärenkäfig" bezeichnet.

Typisch für eine Superzelle ist auch die sogenannte Flanking Line. Dabei handelt es sich um eine Linie die meist aus Cumuluswolken besteht, welche treppenförmig in die Superzelle hineinläuft. Sie entsteht, wenn Kaltluft aus der Zelle ausfließt und die warme Luft am Rande der Zelle nach oben drückt. Die Cumuluswolken in der Flanking-Line können sich zu einer neuen Superzelle entwickeln, wenn die Mutterzelle am Ende ist.

Weiterhin bildet sich unter einer Superzelle oft eine Wallcloud aus. Das ist eine deutliche Absenkung der Wolkenbasis einer Superzelle. Sie entsteht, wenn der starke Aufwind kalte Luft aus dem Niederschlagskern ansaugt und diese zum Aufwindzentrum gesogen wird. Die angesogene kalte und feuchte Luft zieht das Kondensationsniveau im Zentrum des Aufwindbereiches nach unten, so daß hier unterhalb der eigentlichen Wolkenbasis ein meist ovaler Wolkenkörper entsteht, der oft eine Verlängerung (Schleppe) in Richtung zum Niederschlagskern hat.

Superzellen sind die gefährlichsten Gewitterzellen! Sie bringen oft heftigste Wolkenbrüche, großkörnigen Hagel (bis zu Hühnerei- oder selten Golfballgröße!), Orkanböen und hohe Blitzraten. 60 bis 80 Blitze pro Minute sind keine Seltenheit, allerdings sind es meistens Wolkenblitze und nur wenige Wolken-Erde-Blitze.

Weiterhin können Superzellen sogenannte Downbursts auslösen. Durch den sehr heftigen Niederschlag wird viel kalte Luft mit nach unten gerissen. Besonders bei Superzellen erreichen diese Fallböen mitunter sehr hohe Geschwindigkeiten (bis zu 160 km/h!) und haben schon so manches Flugzeug zum Absturz gebracht!

In Schleswig-Holstein sind Superzellen zum Glück recht selten. Mir sind aber, seitdem ich das Internet habe, schon einige Fälle bekannt geworden. Da ich nicht die technischen Möglichkeiten habe, die Doswell-Kriterien nachzuprüfen (mind. 15 Minuten lang stetig rotierender Aufwind), kann ich bei den meisten Fällen erstmal nur von einen Superzellenverdacht sprechen. In einigen Fällen ist aber von Leuten, die die dazu nötigen hochauflösenden Radarbilder und Dopplerradarbilder haben, die Superzellennatur bestätigt worden.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
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