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Hochwasser an der Ostsee


Hochwasser tritt an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste bei Winden aus östlichen Richtungen auf. Da die Ostsee aber fast schon ein Binnenmeer ist, treten hier einige andere Effekte auf die dazu führen, das Hochwasser auch bei windstillen Lagen auftreten kann.

Da es an der Ostsee keine Gezeiten gibt, ist der Begriff Sturmflut eigentlich nicht so ganz richtig. Daher wird häufig auch von einen Ostseehochwasser gesprochen; gemeint ist aber das gleiche. Für Hochwasser an der Ostsee bedarf es Starkwind oder Sturm aus östlichen Richtungen. Dies tritt zwar eher selten ein (besonders Sturm), kann aber doch mehrmals pro Jahr vorkommen. Schwerer Sturm aus Ost kommt aber nur alle paar Jahre einmal vor und ist daher schon eher selten. Für Hochwasser an der Ostsee gibt es mehrere Möglichkeiten:

1. Sturm aus Ost oder Nordost
Hier treibt Sturm das Wasser von der See an die Küste.

2. Rückschwappeffekt nach Sturm aus West
Da die Ostsee eher ein Binnenmeer ist, schwappt das Wasser in ihr hin und her wie in einer Badewanne. Weststurm drückt z. B. das Wasser von der Küste Schleswig-Holsteins weg auf die freie See. Flaut der Sturm dann später sehr rasch ab, schwappt das auf die See gedrückte Wasser mit Kraft zurück nach Westen. Dabei kommt es an der Küste hier ebenfalls zu einem Hochwasser, das aber diesmal nach dem Sturm kommt. Wichtig ist dabei das der Weststurm sehr rasch auf sehr geringe Windstärken abnimmt. Nimmt der Weststurm dagegen nur sehr langsam ab, kann das Wasser nicht richtig zurückschwappen weil es von dem Westwind immer wieder von der Küste weggedrückt wird.

3. Beide Effekte kommen zusammen
Dies ist die gefährlichste Situtation die man sich denken kann! Sie tritt ein wenn ein Tief von Westen kommend zunächst West- oder Nordweststurm bringt. Zieht dieses Tief dann aber weiter nach Süden, z. B. zur südlichen Ostsee oder gar nach Polen, dann dreht der Wind über der westlichen Ostsee rasch auf Nord bis Nordost! Durch die rasche Winddrehung von West auf Nordost kommt es nicht nur zu einem Rückschwappeffekt, sondern der Nordostwind treibt das Wasser dann noch verstärkt von der freien See an die Küste! Dadurch ergeben sich dann besonders hohe Wasserstände von über 3 Metern über N. N. wie dies z. B. bei der schweren Sturmflut von 1872 der Fall war.



Hochwasser am 2. Januar 2002 in Kiel

Dieses Hochwasser ist ein gutes Beispiel für den Rückschwappeffekt!

Das Hochwasser trat bei nur schwachem Wind aus West auf! Der Grund dafür war ein Sturm aus West bis Nordwest in der vergangenen Nacht, der viel Wasser auf die See hinaus gedrückt hatte.

Dieser Sturm ist am Vormittag sehr rasch abgeflaut. Bei solchen Situationen kommt es in der Ostsee zu einen Rückschwappeffekt ähnlich wie in einer Badewanne. Durch den sehr rasch abgeflauten Wind konnte das Wasser mit voller Kraft ans Ufer zurückschwappen.


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Links 02.01.2002 0 Uhr: West bis Nordweststurm über der Ostsee!
Rechts 02.01.2002 18 Uhr: Fast kein Wind mehr!

Quelle der Karten: Wetterzentrale


So stieg der Pegel am Nachmittag auf gute 1,40 bis 1,6 Meter über N. N. an. In Kiel wurde das Hindenburgufer überschwemmt. Eindrucksvoll das zu dieser Zeit kaum noch Wind war, aber Hochwasser!


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Da es im Winterhalbjahr hier immer sehr früh dunkel ist, habe ich bei diesem Hochwasser Aufnahmen mit Blitzlicht probiert
© Mario Lehwald



Hochwasser am 21. Februar 2002 in Kiel

In der Nacht auf den 21. Februar kam es zu einem schweren Nordoststurm mit Orkanböen. So stieg am frühen Morgen der Wasserpegel in Kiel stark an und erreichte 1.65 Meter über N. N.


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Das Hindenburgufer in Kiel ist komplett überflutet
© Mario Lehwald


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Bei Sturm aus Nordosten werden Wellen und Seegang auch in die Förde hineingedrückt.
© Mario Lehwald

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