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Lebenslauf von Zyklonen


Tiefdruckgebiete (Zyklonen) entstehen vorwiegend an der Polarfront die kalte Luft aus dem Norden von warmer aus dem Süden trennt. Diese Zone liegt meist über Nordeuropa. Die an ihr entstehenden Tiefdruckgebiete beeinflussen daher recht häufig unser Wetter und besonders das hier in Norddeutschland.

Das Anfangsstadium eines Tiefdruckgebietes ist eine sogenannte Welle; so genannt, da die Front durch die beginnende Tiefdruckentwicklung wellenförmig verbogen wird, was man auf Wetterkarten meist sehr schön sehen kann. Auf den Satellitenbildern sieht man hier eine starke Verbreiterung des Wolkenbandes der Front.

Auf der rechten Seite der Welle dringt die Warmluft aus dem Süden gegen die Kaltluft im Norden vor, man bezeichnet diesen Teil als Warmfront. Auf der linken Seite der Welle dringt dagegen die Kaltluft aus dem Norden nach Süden gegen die Warmluft vor, dies ist eine Kaltfront. So entsteht nach Stunden eine schwache Windzirkulation gegen den Uhrzeigersinn um den Kern der Welle herum.


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Im weiteren Verlauf vertieft sich die Welle immer weiter, d. h. der Luftdruck im Kern sinkt ab. Sobald der Kern der Welle von einer geschlossenen Isobare umgeben ist, wird es als Randtief bezeichnet. In diesem jungem Stadium hat das Tief einen breiten Warmsektor. Damit ist der Raum zwischen Warm- und Kaltfront gemeint.

Da sich Kaltfronten aber schneller als Warmfronten bewegen, holt die Kaltfront die Warmfront langsam ein und hebt sie vom Boden ab. Dies passiert zuerst im Kern des Tiefs. Man bezeichnet dies als Okklusionsprozeß und den Zusammenschluß von Warm- und Kaltfront als Okklusionsfront. Wenn der Okklusionsprozeß eingesetzt hat, erreicht das Tief wenig später auch seinen Höhepunkt der Entwicklung.


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Durch den Okklusionsprozeß wird der Warmsektor immer enger. Im weiteren Verlauf holt die Kaltfront die Warmfront auch in größerer Entfernung vom Tiefkern ein, bis schließich das ganze Tief nur noch aus einer Front, der Okklusionsfront besteht. Diese windet sich immer weiter spiralförmig um den Tiefkern herum. In diesem Endstadium besteht das ganze Tief nur noch aus Kaltluft und schwächt sich dabei langsam ab.


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An der Okklusionsfront entstehen aber meist neue Wellen und daraus wiederum neue Tiefs, die dann den gleichen Entwicklungsvorgang durchmachen, wie das ursprüngliche Tief. Das Muttertief schwächt sich entweder immer weiter ab und löst sich schließlich ganz auf (so wie in diesem Beispiel), oder bleibt noch eine Zeit lang als Steuerungszentrum für die nachfolgenden jungen Tiefs bestehen.


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Quelle der Karten: Wetterzentrale
Zeitraum: 8. bis 11. September 2007
Bearbeitung: Mario Lehwald



Entwicklung einer Zyklone
vom 7. bis 12. Juli 1998 über Osteuropa

Da die Polarfront normalerweise von West nach Ost verläuft, entstehen die Zyklonen auf dem Atlantik als Wellen und ziehen dann ostwärts oder nordostwärts. Manchmal verläuft eine Luftmassengrenze aber auch Nord-Südwärts quer über den mitteleuropäischen Kontinent. In diesem Falle entstehen die Tiefs im Süden Europas und ziehen dann nordwärts nach Finnland. Diese Tiefs haben den Warmsektor nicht südlich, sondern östlich ihres Kerns! Die folgende Serie zeigt die Entwicklung eines solches Tiefs, das dann nach Norden zieht, im Satellitenbild (links) als auch in der Bodenwetterkarte (rechts, Bezeichnung dieses Tiefs hier mit "L L"):


7. Juli 1998:

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Satbild von 12.40 Uhr, Bodendruck von 12.00 Uhr UT

Eine langgestreckte Kaltfront ist aus dem Norden bis nach Südosteuropa vorgedrungen.


8. Juli 1998:

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Satbild von 12.29 Uhr, Bodendruck von 12.00 Uhr UT

Über der Ukraine verstärkt sich das Wolkenband der Kaltfront: Hier entsteht eine neue Zyklone; in diesem Stadium auch »Welle» genannt. Es ist eine schwache Zirkulation der Luft um den Scheitel der Welle herum gegen den Uhrzeigersinn entstanden.


9. Juli 1998:

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Satbild von 12.18 Uhr, Bodendruck von 18.00 Uhr UT

Die Welle hat sich zu einem jungem Tiefdruckgebiet entwickelt: Links unten ist die Kaltfront, rechts oben die Warmfront zu erkennen. Das Gebiet zwischen der Warm- und der Kaltfront wird auch als Wamrsektor bezeichnet


10. Juli 1998:

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Satbild von 12.07 Uhr, Bodendruck von 12.00 Uhr UT

Das junge Tiefdruckgebiet entwickelt sich weiter: Der Warmsektor auf der Ostflanke ist jetzt gut zu erkennen. Da die Kaltluft turbulenter ist, bewegt sich die Kaltfront schneller als die Warmfront: Der Warmsektor wird dadurch allmählich enger. Im Bereich des Tiefkerns hat die Kaltfront die Warmfront sogar schon eingeholt; hier entsteht die sogennante Okklusion, ein Zusammenschluß von Warm- und Kaltfront.


11. Juli 1998:

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Satbild von 11.56 Uhr, Bodendruck von 06.00 Uhr UT

Die Kaltfront hat die Warmfront zum größten Teil eingeholt; der Warmsektor ist kaum noch vorhanden. Die Zyklone hat ihren Höhepunkt erreicht und beginnt völlig zu verwirbeln. Der Druck im Kern ist nun mit 988 hPa am niedrigsten. Die Okklusionsfront windet sich immer weiter spiralförmig um den Tiefkern herum. Da sich die thermischen Gegensätze langsam abbauen, versiegt die Energie der Zyklone allmählich.


12. Juli 1998:

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Satbild von 11.45 Uhr, Bodendruck von 18.00 Uhr UT

Das Ende des Tiefs ist da: Das gesamte Tief besteht nur noch aus Kaltluft (erkennbar an der cumuliformen Bewölkung). Da die Energie der Zyklone, die ja aus den Gegensätzen zwischen Warm- und Kaltluft geschöpft wurde, nun vollkommen verbraucht ist, löst sich die Zyklone jetzt engültig auf. Über Norwegen ist aber ein Teiltief entstanden, das sich weiter nach Nordwesten bewegt, während über der Nordsee ein Sturmttief nach Dänemark zieht.

Quellen:
NOAA quicklooks: NEODAAS/University of Dundee
Wetterkarten: Wetterzentrale
Beobachtung und Zusammenstellung: Mario Lehwald

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
www.seewetter-kiel.de