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Sturm- und Orkantief


Sturm- und Orkantiefs unterscheiden sich von den normalen Tiefdruckgebieten durch eine zum Teil erhebliche Intensivierung der Wettererscheinungen, bedingt durch starke thermische Gegensätze der beteiligten Luftmassen. Damit verbunden sind auch wesentlich größere Windstärken. Werden in einem Tiefdruckgebiet Windstärken von mindestens 8 Bft im Mittel gemessen, so bezeichnet man es als Sturmtief; ab Windstärke 11 Bft im Mittel spricht man von einem Orkantief.


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Winterliches Sturmtief
© Mario Lehwald



Wovon hängt die Windstärke am Boden ab?

Für die Höhe der Windgeschwindigkeit ist nicht der Kerndruck des Tiefs, sondern vielmehr der Druckgradient zwischen diesem Tief und dem benachbarten Hoch entscheidend! Die höchsten Windgeschwindigkeiten sind immer dort, wo die Isobaren am engsten zusammenrücken. Auf der Wetterkarte erkennt man Sturm- und Orkantiefs sofort an den besonders dicht gedrängten Isobaren.


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Sturmtief am 14. Januar 2007 über Mittelschweden

Quelle der Karte: Wetterzentrale
Bearbeitung: Mario Lehwald


Nicht nur der örtliche, sondern auch der zeitliche Druckunterschied ist für die Windgeschwindigkeit von Bedeutung. In den Wettermeldungen wird auch die Luftdruckveränderung für einen gewissen Zeitraum, z. B. für 3 Stunden angegeben. Zieht ein junges Tief sehr schnell, so kann es über dem betreffenden Gebiet eine höhere Windgeschwindigkeit erzeugen, als man nach dem Abstand der Isobaren erwarten würde.

Ein weiterer wichtiger Punkt, wie stark ein Sturm am Boden wird, ist die Luftschichtung oder die sogenannte Durchmischung. Wenn wärmere Luft über kältere am Boden liegt, so ist die Schichtung stabil. Da warme Luft leichter als kalte ist, hat sie das Bestreben aufzusteigen. Sie kann also nicht in die Kaltluft unter ihr absinken. Dadurch kann auch der Höhenwind, z. B. in 1500 Metern Höhe nicht bis zum Boden heruntergemischt werden. Solche Zustände treten z. B. vor Warmfronten oder im Warmsektor eines Tiefs auf.

Anders sieht es aus, wenn kältere Luft in der Höhe herangeführt wird. Sie sinkt in die unter ihr liegende Warmluft ab, womit auch Teile des Höhenwindes bis zum Boden heruntergemischt werden. Das ist z. B. im Bereich von Kaltfronten oder dahinter der Fall. Besonders gefährlich wird es im Bereich des Rückseiten- oder Bodentroges, weil hier oft der stärkste Druckgradient im gesamten Tief vorhanden ist und weiterhin auch eine labile Schichtung mit Höhenkaltluft!



Bewölkung in einem Sturmtief

Die Bewölkung in einem Sturmtief wechselt meist sehr rasch. Oft ist Stratocumulus zu sehen, der rasch über den Himmel zieht. Manchmal ist er so dicht, das Sonne oder Mond vollkommen verdeckt werden. Er kann aber auch rasch auflockern oder es treten kurzzeitige Wolkenlücken auf. Wegen dem tiefen Stratocumulus erkennt man heranziehende Schauer oft nicht. Nur plötzlich einsetzender Regen zeugt von der Existenz von Schauerwolken, die sich über dem Stratocumulus befinden.


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© Mario Lehwald



Entstehung von Sturmtiefs

Wichtig für die Entstehung solcher intensiven Tiefdruckgebiete ist das Zusammentreffen sehr unterschiedlicher Luftmassen - nämlich sehr milder Subtropikluft auf der Vorderseite sowie kalter Polarluft auf der Rückseite des Tiefs. Die meisten Sturmtiefs entstehen auf dem Nordatlantik im Raum von Neufundland oder bei den Bermuda-Inseln. Sie ziehen rasch ostwärts, erreichen bei Irland den Höhepunkt ihrer Entwicklung, und bewegen sich unter Abschwächung langsam weiter nach Südskandinavien. Bei starker Westwinddrift entwickeln sich häufig südwestlich von England starke Randtiefs, die sich innerhalb kurzer Zeit ebenfalls zu Sturm- oder Orkantiefs entwickeln und dabei in den Bereich südliche Ostsee ziehen. Häufig beeinflussen ihre Sturmgebiete daher auch den norddeutschen Raum.

Folgende Gefahren bestehen bei Sturm- und Orkantiefs:

  • Rasche Entwicklungen zum Orkantief bei lebhafter Westlage in 24 Stunden.
  • Extrem tiefer Kerndruck bis unter 950 hPa.
  • Böen mit bis zu 180 km/h Windgeschwindigkeit auf freier See.
  • Niederschlagsmengen von über 100 mm in 24 Stunden.
  • Wellen von über 10 Metern Höhe auf hoher See.
  • Schwere Schäden bis Verwüstungen auf dem Festland


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Heftige Sturmtiefs richten oft Schäden an
© Mario Lehwald

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